Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin

Frauen sind anders. Männer auch. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber dennoch kommt sie in einigen Bereichen der Medizin erst allmählich an. Viele Jahrhunderte lang war die Heilkunde – obwohl im Alltag überwiegend von Frauen ausgeübt – eine Medizin für Männer. Anatomische Darstellungen zeigten nur dann Frauen, wenn spezielle Aspekte der weiblichen Anatomie angesprochen waren, und fast alle Normwerte wurden zunächst fast ausschließlich an Männern erhoben.

Versuchspersonen in klinischen Prüfungen waren überwiegend Männer, und so entstanden auch Dosisangaben für Arzneimittel, die oft nicht nur am durchschnittlich höheren Gewicht der Männer, sondern auch an deren Leber- und Nierenkapazität orientiert waren. Erst langsam setzt sich inzwischen eine differenziertere Sichtweise durch.

Der „Gender“ Begriff

Der englische Begriff „Gender“ geht über das biologische Geschlecht hinaus und bezieht auch die psychische und soziale Prägung als Frau oder Mann in der Gesellschaft ein. Inzwischen gibt es an einigen Universitäten in Europa bereits eigene Lehrstühle für den Bereich der Gender Medizin.

Gender-Medizin setzt sich zum Ziel, die bisherigen Forschungsfragen, Diagnose- und Therapieansätze durch einen geschlechtssensiblen Blick auf Gesundheit und Krankheit aus biologischer und psychologischer Sicht zu ergänzen. Manche medizinischen Disziplinen übernahmen hierbei die Vorreiterrolle. Dazu gehörten unter anderem die Kardiologie, die Immunologie und die Rheumatologie – seit einer Weile ist „Gender“ auch in der Orthopädie Thema.